Was ist Erziehung?

Turm aus schlichten Holzbausteinen neben einem Bleistift, ein Baustein in Grün

Erziehung ist die bewusste Einwirkung auf die Entwicklung eines anderen Menschen. Entscheidend ist dabei das Wort „bewusst“, denn wer erzieht, verfolgt eine Absicht und ein Ziel, auch wenn er beides nicht immer ausdrücklich benennt. Diese Absicht unterscheidet Erziehung von vielen anderen Einflüssen, die täglich auf ein Kind einwirken.

Neben der Erziehung steht die Sozialisation. Sie findet auch dann statt, wenn niemand erzieherisch handeln möchte, etwa im Umgang mit Gleichaltrigen oder in alltäglichen sozialen Situationen. Diese Unterscheidung macht deutlich, dass Erziehung nur ein Teil des umfassenderen Prozesses ist, durch den ein Mensch zum Mitglied der Gesellschaft wird. Die Sozialisation bildet gewissermaßen den Hintergrund, vor dem sich Erziehung vollzieht.

Was ist Lernen?

Lernen ist ein Prozess, bei dem sich Wissen, Fähigkeiten oder Haltungen verändern. Der Begriff umfasst mehr als schulisches Lernen, denn gelernt wird auch außerhalb der Schule, im Beruf, zu Hause oder beim Verfolgen eigener Interessen. Lernen beschreibt eine Veränderung im Menschen, unabhängig davon, ob jemand sie geplant hat.

So verstanden setzt Lernen weder eine Lehrkraft noch einen Lehrplan voraus. Es genügt, dass jemand nach einer Erfahrung etwas anderes weiß, kann oder denkt als zuvor. Deshalb dient der Begriff oft als Ausgangspunkt, wenn es um Entwicklung geht und nicht nur um Bildung in Institutionen.

Was ist Bildung?

Bildung betont in der deutschen Tradition die aktive Rolle der Lernenden bei ihrer eigenen Entwicklung. Der Mensch empfängt hier nicht einfach fertige Inhalte, sondern gestaltet seine Entwicklung selbst mit. Damit unterscheidet sich Bildung von Erziehung, bei der die einwirkende Person im Mittelpunkt steht.

Dabei ist zu bedenken, dass das Wort Bildung im Alltag oft als Synonym für schulischen Unterricht verwendet wird. Die Pädagogik legt dagegen ein genaueres Verständnis zugrunde, bei dem der eigene Anteil des Menschen an diesem Prozess entscheidend ist.

Wo endet der eine Begriff und wo beginnt der andere?

Am leichtesten lässt sich das am Beispiel eines Kindes in drei alltäglichen Situationen zeigen. Ein Elternteil erklärt, wie man Spielzeug aufräumt, und achtet darauf, dass die Regeln eingehalten werden. Dahinter stehen eine Absicht und ein Ziel, also handelt es sich um Erziehung. Auf dem Spielplatz übernimmt das Kind den Slang Gleichaltriger. Niemand plant das, und doch beginnt das Kind, anders zu sprechen. Das ist Sozialisation. Am Abend greift das Kind selbst zu einem Buch und erfährt etwas Neues. Hier findet Lernen statt. Weil das Kind seine Entwicklung bewusst selbst lenkt, lässt sich auch von Bildung sprechen.

Dasselbe Muster lässt sich auf das Sprachenlernen übertragen. Wenn die Eltern das Kind beim Sprechen korrigieren und ihm erklären, wie man spricht, üben sie Erziehung aus. Wenn Gleichaltrige neue Wörter einbringen, findet Sozialisation statt. Übt das Kind selbst oder besucht es einen Kurs, beschreiben wir das als Lernen. Seine aktive Mitwirkung an der Entwicklung seiner Persönlichkeit ist bereits Bildung. Zur praktischen Unterscheidung lässt sich fragen, ob jemand absichtlich gehandelt hat, welche Veränderung im Menschen eingetreten ist und welche Rolle der Lernende selbst dabei gespielt hat.

Die Grenzen sind allerdings fließend, und verschiedene Traditionen definieren die Begriffe unterschiedlich. Deshalb ordnet die Allgemeine Pädagogik diese Begriffe und fragt nach den Zielen der Erziehung, nicht nur nach ihren Methoden. Wer die pädagogischen Grundbegriffe gut versteht, kann wissenschaftliche Arbeiten bewusster lesen und Auseinandersetzungen darüber, was gute Erziehung ausmacht, gelassener einordnen.